Was ein Prüfbericht sagt – und was er verschweigt
Ein Prüfbericht ist die Stellungnahme eines Prüfdienstleisters, den die gegnerische Versicherung mit der Durchsicht Ihres Schadengutachtens beauftragt hat. Er greift einzelne Positionen heraus, setzt ihnen einen niedrigeren Betrag entgegen und begründet das meist in ein bis zwei Sätzen.
Schwer zu lesen ist er aus drei Gründen: Er benennt Positionen anders als die Kalkulation, er weist die Kürzung häufig nur als Endsumme aus, und seine Begründungen sind knapp und technisch. Wer nachvollziehen will, was tatsächlich gestrichen wurde, muss Gutachten, Kalkulation und Prüfbericht nebeneinanderlegen und Zeile für Zeile abgleichen. Genau diese Arbeit übernimmt die Plattform – und legt dabei offen, wie sicher sie sich jeweils ist.
Am Ende der Verarbeitung steht
- eine Gegenüberstellung je Position mit Fundstelle in beiden Dokumenten,
- die Differenz je Position und die deterministisch gebildete Gesamtsumme,
- eine beschreibende Kategorie je Kürzung, ohne rechtliche Wertung,
- die Angabe, wie sicher Erkennung und Zuordnung waren,
- eine Liste fehlender Unterlagen und widersprüchlicher Angaben,
- ein Entwurf aus freigegebenen Bausteinen – zur anwaltlichen Prüfung, nicht zum Versand.
Die 16 Schritte
Jeder Schritt hat eine sichtbare und eine unsichtbare Seite
Links steht, was Sie in der Anwendung sehen. Rechts steht, was dabei technisch geschieht – weil Nachvollziehbarkeit voraussetzt, dass man den Weg kennt, den eine Zahl genommen hat.
Vorgang anlegen und Unterlagen einreichen
Der Einstieg ist bewusst schmal gehalten. Alles, was auch in den Dokumenten steht, müssen Sie nicht abtippen.
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Fall anlegen
Das sehen Sie
Ein kurzes Formular: Schadennummer, gegnerische Versicherung, Unfalldatum, Fahrzeug. Was Sie nicht zur Hand haben, lassen Sie leer.
Das passiert im Hintergrund
Der Vorgang wird einem Mandanten zugeordnet, erhält den Status „Angelegt“ und einen ersten Eintrag im fortlaufend verketteten Protokoll. Daten anderer Mandanten sind auf Datenbankebene getrennt.
- 2
Unterlagen hochladen
Das sehen Sie
Ein Feld je Dokumentart. Sichtbar gekennzeichnet ist, was zwingend gebraucht wird (Schadengutachten und Prüfbericht) und was die Prüfung nur verbessert.
Das passiert im Hintergrund
Die Dateien liegen in einem privaten Objektspeicher ohne öffentliche Adressen. Zugriff nur über zeitlich begrenzte Links. Zu jeder Datei wird eine SHA-256-Prüfsumme gebildet, damit spätere Veränderungen auffallen.
- 3
Prüfung der Dateien
Das sehen Sie
Je Datei ein Status. Wird etwas abgelehnt, steht der Grund daneben, und Sie können dieselbe Unterlage in anderer Form nachreichen.
Das passiert im Hintergrund
Virenscan und Formatprüfung. Das Format wird nicht der Dateiendung oder dem gemeldeten Typ entnommen, sondern den Signaturbytes der Datei. Zulässig sind PDF, JPG und PNG bis zur konfigurierten Obergrenze (Standardwert 25 MB je Datei). Abgelehnte Dateien gelangen nicht in die Analyse.
Aus Dokumenten werden strukturierte Daten
Hier entsteht die Grundlage für jede spätere Aussage. Jeder ausgelesene Wert behält seine Fundstelle, sonst wäre er später nicht überprüfbar.
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Textauslesung und OCR-Rückfall
Das sehen Sie
Die Seitenzahl je Dokument und ein Hinweis, wenn eine Seite nur als Bild vorlag und maschinell gelesen werden musste.
Das passiert im Hintergrund
Zuerst wird der eingebettete Text seitenweise ausgelesen. Liefert eine Seite zu wenig Text, greift die Texterkennung. Der Seitenbezug bleibt dabei erhalten, weil jede spätere Fundstelle Seite und Textausschnitt benötigt.
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Dokumentklassifikation
Das sehen Sie
Welche Rolle jedes Dokument bekommen hat – Gutachten, Kalkulation, Prüfbericht, Schreiben der Versicherung. Sie können jede Zuordnung korrigieren.
Das passiert im Hintergrund
Die Einordnung stützt sich auf Merkmale im Text, etwa Überschriften, Nummernformate und wiederkehrende Formulierungen. Eine falsche Zuordnung hätte Folgen für alle weiteren Schritte, deshalb ist sie sichtbar und änderbar statt stillschweigend.
- 6
Extraktion der Stammdaten
Das sehen Sie
Schadennummer, Versicherung, Prüfdienstleister, Gutachten- und Prüfberichtsnummer, Datum, Fahrzeug und Kennzeichen – jeweils mit der Fundstelle im Dokument.
Das passiert im Hintergrund
Weicht ein ausgelesener Wert von Ihrer Eingabe ab, wird er nicht überschrieben, sondern als Abweichung geführt. Zwei Quellen, die sich widersprechen, sind ein Befund und kein Rundungsfehler.
- 7
Extraktion der Reparaturpositionen
Das sehen Sie
Die Positionsliste aus der Kalkulation mit Nummer, Bezeichnung, Nettobetrag und einer Angabe, wie sicher die Erkennung war.
Das passiert im Hintergrund
Beträge werden unmittelbar in ganzzahlige Cent-Werte überführt. Es wird an keiner Stelle mit Gleitkommazahlen gerechnet. Jede Position trägt Dokument, Seite und Textausschnitt mit sich.
Aus Daten wird eine prüfbare Gegenüberstellung
Der eigentliche Kern: zwei Dokumente, die dieselbe Reparatur unterschiedlich beschreiben, werden Zeile für Zeile aufeinander bezogen.
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Erkennung der gekürzten Positionen
Das sehen Sie
Welche Positionen der Prüfbericht beanstandet, mit ursprünglichem und anerkanntem Betrag und der Begründung im Wortlaut des Prüfberichts.
Das passiert im Hintergrund
Die Begründung wird als Zitat geführt und nicht umformuliert. Was der Prüfdienstleister geschrieben hat, muss später Wort für Wort nachlesbar sein.
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Zuordnung zwischen Kalkulation und Prüfbericht
Das sehen Sie
Je Zeile eine Zuordnungskonfidenz. Wo die Anwendung unsicher ist, sagt sie es, statt eine Zuordnung zu behaupten.
Das passiert im Hintergrund
Zwei Strategien: Übereinstimmung in Positionsnummer und Bezeichnung gilt als stark, Übereinstimmung nur in der Bezeichnung als schwächer. Das Ergebnis wird als Wert gespeichert, nicht als Ja-Nein-Entscheidung.
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Deterministischer Betragsabgleich
Das sehen Sie
Die Differenz je Position und die Summe aller Differenzen.
Das passiert im Hintergrund
Alle Summen entstehen im Anwendungscode aus Cent-Werten, niemals in einem Sprachmodell. Zusätzlich wird geprüft, ob die Einzeldifferenzen die im Prüfbericht ausgewiesene Gesamtkürzung ergeben. Tun sie es nicht, ist das ein eigener Befund.
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Erkennung fehlender oder widersprüchlicher Angaben
Das sehen Sie
Eine Liste dessen, was noch fehlt, und Hinweise auf Widersprüche, etwa ein abweichendes Kennzeichen oder ein Datum, das nicht zum Unfalltag passt.
Das passiert im Hintergrund
Die vorhandenen Dokumentarten werden gegen die erforderlichen abgeglichen. Widersprüche zwischen Stammdaten werden markiert und nicht geglättet, weil sie für die rechtliche Prüfung erheblich sein können.
Aus der Gegenüberstellung wird ein Entwurf
Ab hier ist jeder Satz an ein freigegebenes Regelwerk gebunden. Wo keines passt, entsteht bewusst kein Text.
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Kategorisierung der Kürzungsgründe
Das sehen Sie
Je Position eine Kategorie, etwa Stundenverrechnungssätze, UPE-Aufschläge, Verbringungskosten oder Beilackierung.
Das passiert im Hintergrund
Die Kategorien sind rein beschreibend und enthalten keine rechtliche Wertung. Sie sind der Schlüssel, über den ein Regelwerk gefunden wird.
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Zuordnung zu einem freigegebenen Regelwerk
Das sehen Sie
Welches Regelwerk in welcher Version angewandt wurde – oder der ausdrückliche Hinweis, dass für diese Kategorie keines vorliegt.
Das passiert im Hintergrund
Regelwerke haben Status und Gültigkeitszeitraum. Nur freigegebene und gültige Fassungen werden verwendet. Ausgesetzte, abgelaufene oder widerrufene Fassungen erzeugen keinen Text, sondern eine Eskalation.
- 14
Entwurfserzeugung
Das sehen Sie
Ein Entwurf der Stellungnahme zum Prüfbericht, Absatz für Absatz mit Herkunftskennzeichnung: Dokumentstelle, Berechnung, freigegebener Textbaustein oder anwaltliche Bearbeitung.
Das passiert im Hintergrund
Der Text setzt sich aus versionierten Bausteinen und geprüften Werten zusammen. Frei formulierte rechtliche Ausführungen entstehen nicht, ebenso wenig Fundstellen, die nicht im Baustein hinterlegt sind.
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Konfidenzprüfung
Das sehen Sie
Die niedrigste Extraktions- und Zuordnungskonfidenz des gesamten Vorgangs, nicht der geschönte Durchschnitt.
Das passiert im Hintergrund
Die Werte werden gegen die hinterlegten Schwellen geprüft. Eine Unterschreitung führt zu einer Eskalation und nicht zu einem stillen Ergebnis.
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Freigabe oder Eskalation
Das sehen Sie
Ein klarer Status: Entwurf liegt vor, technische Prüfung nötig oder anwaltliche Prüfung nötig. Dazu die Begründung, falls eskaliert wurde.
Das passiert im Hintergrund
Im Standardmodus endet der automatische Teil hier. Das technisch vorbereitete Gate für eine automatische Freigabe prüft 21 Bedingungen und arbeitet fail-closed: Was nicht positiv nachgewiesen ist, gilt als nicht erfüllt.
Grenzen der Automatisierung
Was die Plattform bewusst nicht tut
Diese vier Grenzen sind keine Einschränkungen, die sich später beheben lassen. Sie sind Teil der Konstruktion und der Grund, warum die Ergebnisse überprüfbar bleiben.
Keine rechtliche Bewertung
Die Plattform stellt fest, was gekürzt wurde und wie begründet. Ob eine Kürzung berechtigt ist, ist eine Rechtsfrage des Einzelfalls und wird ausschließlich anwaltlich beantwortet.
Keine Summen aus einem Sprachmodell
Ein Sprachmodell wird nur zum Auslesen und Zuordnen eingesetzt, in engem Ausgabeschema und ohne Werkzeuge. Jede Rechnung erfolgt deterministisch im Anwendungscode auf ganzzahligen Cent-Werten.
Keine erfundenen Fundstellen
Argumente stammen aus versionierten, anwaltlich freigegebenen Bausteinen. Findet sich kein passender Baustein, bleibt die Lücke sichtbar offen, statt mit einer plausibel klingenden Behauptung gefüllt zu werden.
Kein automatischer Versand
Nach außen kommuniziert ausschließlich PARTNERKANZLEI. Im Demonstrationssystem sind sämtliche Versandwege durch Mocks ersetzt; es erreicht kein Schreiben einen realen Empfänger.
Drei Freigabemodi
Wie weit die Automatisierung reicht, ist keine Frage der Technik, sondern eine Entscheidung der Kanzlei. Der Modus ist je Mandant konfigurierbar und wird bei jedem Vorgang protokolliert.
| Modus | Was geschieht | Wer entscheidet | Stand |
|---|---|---|---|
| Nur Entwurf | Die Verarbeitung endet mit einem Entwurf. Es wird nichts freigegeben und nichts versendet. | Niemand automatisch. Der Entwurf wartet auf die Kanzlei. | Standard und im Demonstrationssystem aktiv |
| Anwaltliche Freigabe erforderlich | Der Entwurf wird der Kanzlei zur Prüfung vorgelegt. Erst nach ausdrücklicher Freigabe wird ein Schreiben versandfertig. | Eine Rechtsanwältin oder ein Rechtsanwalt der Partnerkanzlei, positionsweise. | Vorgesehen für den Regelbetrieb mit der Kanzlei |
| Automatische Freigabe (eingeschränkt) | Eng begrenzte Standardfälle könnten ohne erneute Einzelprüfung freigegeben werden, sofern alle Bedingungen erfüllt sind. | Das Freigabe-Gate mit 21 Bedingungen, fail-closed, auf Grundlage vorab anwaltlich freigegebener Regelwerke. | Technisch vorbereitet, per Kill-Switch global und je Mandant deaktiviert |
Im Auslieferungszustand ist ausschließlich der Modus „Nur Entwurf“ aktiv. Eine automatische Freigabe setzt voraus, dass die Partnerkanzlei sie zuvor ausdrücklich und für eine eng umgrenzte Fallgruppe freigeschaltet hat.
Eskalation
Wenn etwas unklar ist, hört die Automatik auf
Zehn Gründe führen dazu, dass ein Vorgang an einen Menschen übergeben wird. Sie sind im Vorgang sichtbar, mit Begründung und mit Bezug auf die betroffene Position. Ein eskalierter Vorgang ist kein Fehler, sondern der vorgesehene Ausgang für alles, was nicht eindeutig ist.
Geringe Extraktionskonfidenz
Eine Position konnte nicht sicher gelesen werden, etwa wegen eines schwachen Scans oder einer ungewöhnlichen Tabellenform. Ein unsicher gelesener Betrag darf nicht Grundlage einer Forderung sein.
Geringe Zuordnungskonfidenz
Eine Position des Prüfberichts ließ sich der Kalkulation nicht eindeutig zuordnen, weil Nummer oder Bezeichnung abweichen. Die Zuordnung entscheidet ein Mensch.
Rechnerische Abweichung zwischen Dokumenten
Die Summe der Einzeldifferenzen ergibt nicht den im Prüfbericht ausgewiesenen Gesamtbetrag. Entweder fehlt eine Position, oder die Dokumente sind untereinander nicht stimmig.
Erforderliches Dokument fehlt
Ohne Schadengutachten und Prüfbericht gibt es keine Gegenüberstellung. Der Vorgang wartet sichtbar auf die fehlende Unterlage, statt mit einer Teilmenge weiterzurechnen.
Widersprüchliche Angaben in den Dokumenten
Stammdaten widersprechen sich, etwa Kennzeichen, Schadennummer oder Unfalldatum. Solche Abweichungen können auf ein anderes Fahrzeug oder einen anderen Vorgang hindeuten.
Kein freigegebenes Regelwerk für diese Kategorie
Für diese Kürzungskategorie liegt kein anwaltlich freigegebenes Regelwerk vor. Statt frei zu formulieren, bleibt die Position im Entwurf unbearbeitet und wird der Kanzlei vorgelegt.
Regelwerk abgelaufen oder ausgesetzt
Das zuständige Regelwerk ist abgelaufen, ausgesetzt oder widerrufen. Ein abgelaufenes Regelwerk wird nicht weiterverwendet, auch nicht übergangsweise.
Betrag über zulässiger Grenze
Der streitige Betrag überschreitet die für automatisierte Bearbeitung hinterlegte Grenze. Je höher der Betrag, desto früher entscheidet ein Mensch.
Kürzungskategorie nicht eindeutig
Die Begründung des Prüfberichts passt in keine der beschreibenden Kategorien. Eine notdürftig gewählte Kategorie würde das falsche Regelwerk aufrufen.
Verdacht auf manipulierte Dokumentanweisung
Ein Dokument enthält Text, der wie eine Anweisung an die Verarbeitung aussieht. Solche Stellen werden erkannt, protokolliert und niemals befolgt; der Vorgang geht zur Sichtung an einen Menschen.
Was diese Aufbereitung nicht leistet
Wo die anwaltliche Verantwortung beginnt